Wir suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n Schüler/in zur … Er/Sie sollte über grundlegende … verfügen und als Berater/in im … eingesetzt werden können.
Die/der künftige Stelleninhaberin/Stelleninhaber soll im Bereich der … ausgewiesen sein und sich in ihrer/seiner methodischen Grundausrichtung maßgeblich mit … befassen.
Das Lesen typischer Stellenausschreibungen ist wahrlich kein Vergnügen: ständig wird der Gedankenfluss durch unnötiges Einstreuen von Maskulina und Feminina regelrecht zerrissen. Der grammatische Geschlechterkampf wird aber auch zusehends in andere Textsorten übertragen.
Das Englische ist hier fein raus, denn es kennt kein grammatisches Geschlecht (vergleiche aber auch diesen Eintrag). Zudem ist die Klasse der Personenbegriffe, die sowohl mit männlicher als auch weiblicher Endung gebraucht werden können (z.B. actor, actress, prince, princess), überschaubar (das Merriam-Webster’s 11th Collegiate Dictionary zählt 92 solcher Formen, ausschließlich der Formen wie salesman/saleswoman).
Problematisch wird die Sache mit dem Geschlechterkampf hingegen im Pronominalsystem. Dort wird nämlich weiterhin zwischen Feminina und Maskulina unterschieden, was dann auch Auswirkungen auf vermeintlich generische (hier: geschlehtsneutrale) Substantive hat:
- The student who failed his class yesterday was advised to do his homework more properly.
- A student who fails her class is advised to do her homework more properly.
- One should do the best he can.
Ursprünglich konnten die maskulinen Formen he/his auch rein generisch verwendet werden, also ohne einen Rückschluss auf das Geschlecht zuzulassen (vgl. 3: Schüler/-in, Student/-in). Gerade bei generischen Substantiven war das Pronomen eine passable Möglichkeit, auf das weibliche Geschlecht hinzuweisen, falls dies erforderlich war (markierte Form her in 2: Schülerin, Studentin).
Mittlerweile wird (vielleicht wegen dieser Markiertheit, markedness) die generische, männliche Verwendung immer häufiger als diskriminierend angesehen, so dass einige Schriftsteller sogar übergegangen sind und ausschließlich die feminine Form im generischen Sinne verwenden (vgl. 2, jetzt im generischen Sinne: Schüler, Student).
Um dem Geschlechterkampf bzw. möglichen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, ist es bisweilen üblich, entweder beide Pronominalformen zu verwenden (1), oder auf die geschlechtsneutrale Pluralform (2-4) auszuweichen – und das trotz falscher Numerus-Kongruenz zwischen Substantiv und Pronomen:
- Would someone please give me his or her cell phone so that I can call my doctor?
- A student who fails their class is advised to do their homework more properly.
- Whoever has left their suitcase here will surely be looking for it once they have come home.
- No one would every want to do you any harm, would they?
Insbesondere die Beispiele unter 2 bis 4 (hauptsächlich in formaler, geschriebener Sprache verwendet) zeigen, dass die geschlechtsneutrale Pluralform eine sehr elegante Lösung darstellt, dem Anspruch der Geschlechtsneutralität unter Wahrung des Leseflusses gerecht zu werden.
